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Erfolg schafft Nachahmung

19. January 2015

Erfolg schafft Nachahmung

Und warum unsere Homepage dennoch unser Schaufenster bleibt

Einige Gedanken zum neuen Jahr

“Kill that copycat – kreative Ideen verdienen Respekt” Unter diesem Titel referierte Johanne Bossmann, Designerin des Modelabels noni, am ersten deutschen Hochzeitskongress zum Thema RaubkopiererInnen. Ich konnte leider nicht dabei sein. Hätte ich es mir einrichten können, ich wäre nur wegen diesem einem Vortrag nach Köln gefahren. Was in der Hochzeitsbranche Deutschlands allem Anschein nach ein heisses Eisen ist, macht auch vor der Schweiz nicht Halt.

Die Kopier-Kultur hat vielseitige Facetten und Ausdrucksformen: Ein massgeschneidertes Brautkleid wird kopiert, für die Stange produziert und dann zu einem wesentlich tieferen Preis als das Original-Unikat verkauft. Ein bereits verheiratetes Paar ist auf einer Hochzeit und das Brautpaar schneidet die exakt gleiche Hochzeitstorte an – gebacken hat sie jedoch eine andere Hochzeits-Dienstleisterin. Photografen warten die Uhrzeit ab, zu der, wenn das Brautpaar im richtigen Winkel steht, die Abendsonne eine Mandorla um das Brautpaar zeichnet – das exakt gleiche Bild gibt es vom Brautpaar, das eine Woche zuvor am gleichen Ort geheiratet hat. Weddingplaner werben mit Photos auf ihrer Homepage, die von einer Hochzeit eines anderen Weddingplaners sind. Die Liste liesse sich beliebig ergänzen. Der Haken daran: Vieles davon – abgesehen von letzterem Beispiel – geschieht nicht willentlich, denn das Rad kann man/frau bekanntlich nicht neu erfinden. Kreativität ist ein vielschichtiger Prozess. Und doch: Es gibt einen kleinen aber feinen Unterschied: sich inspirieren lassen, ist nicht dasselbe wie kopieren.

Und was hat das nun alles mit einer Floristin zu tun, die doch beispielsweise mit Rosen arbeitet, die sie nicht selber züchtet, mögen Sie sich vielleicht fragen?!

In der Tat haben mich die Fragen rund um die Thematik der Nachahmung im letzten Jahr nicht selten beschäftigt. Weil ich in einem Atelier und nur auf Auftrag arbeite, verfüge ich über kein Schaufenster. Mein Schaufenster – das ist meine Homepage. Mehr als zwei Drittel meiner Anfragen erfolgen aufgrund der Sichtung unserer Homepage. Und nicht selten beginnen dann solche Anfragen mit Worten wie: “Ihr breites Portfolio spricht uns sehr an!” oder „Ihre Photos gefallen uns sehr gut!“ Die Wedding-Unterseite zeigt eine grosse Galerie mit Arbeiten von uns und unser Blog zeigt gesamte Dekorations-Reportagen. Das spricht allem Anschein nach an. Das ist gut so, soll so sein und freut mich. Doch was auf all diesen Bildern zu sehen ist, fiel nicht einfach mal so vom Himmel. Dahinter steckt meist ein langer Weg, der nicht immer frei von Hindernissen ist. Auch wir lassen uns inspirieren und forsten zuweilen stundenlang internationale Wedding-Blogs nach floristischen und dekorativen Ideen durch. Diese wiegen wir gegeneinader ab, suchen nach Optimierungen und entwickeln schliesslich davon ausgehend eigene Floristik- und Dekorationskonzepte, aber auch Strategien des Marketings. Gerade unsere Kampagne „Diesen Sommer lernen Sie uns besser kennen“ sollte helfen, diesen Prozess auch etwas genauer kennen zu lernen und Einblicke zu erhalten.

Als ich dann im letzten Jahr auf einige wirklich offensichtliche Kopien meiner Arbeit stiess, hat mich das nachdenklich gestimmt. Geben wir mit unseren vielen Bildern zu viel preis? Ein anderes Beispiel: Nach einem über zweistündigen Konzeptions- und Beratungsgespräch sowie einigen telefonischen Rücksprachen sprang eine Kundin doch ab. Einige Monate später entdeckte ich die Hochzeit auf dem Blog des Photografen dieser Kundin – die angedachte Dekoration war 1:1 umgesetzt worden. Leider nicht von mir.

Doch dann sind da noch die unzähligen E-Mails, Rückmeldungen auf die TML-Tweets sowie mündliche Nachrichten, in denen mir immer wieder gesagt wird, wie sehr es geschätzt wird, in diesen Bildern zu verweilen, zu träumen – auch wenn die eigene Hochzeit längst vorüber ist. Und eben: die bereits genannten Anfragen sind ja auch noch.

Ich habe mich dann auch mit einigen Freunden und Geschäftspartner ausgetauscht. Ihr Grundton? Erfolg schafft Nachahmung. Freue dich darüber! Und ja, sie haben ja Recht. Und doch „kratzt es am Ego“ – wir kennen das alle. Davor ist auch eine Geschäftsfrau nicht gefeit. Darum: „Stay cool, enjoy and be professional!“ – das will ich mir für das angefangene Jahr zu Herzen nehmen.

Und das Ganze hat ja auch den willkommenen Nebeneffekt, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen, sondern immer wieder nach neuen, einzigartigen und innovativen Floristik- und Dekorationskonzepten und Marketing-Strategien zu streben. Gegen eine Herausforderung hatte ich bekanntlich noch nie etwas auszusetzen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Liebe Leserin, lieber Leser, wir werden Sie auch in diesem Jahr an unseren floristischen und dekorativen Spinnereien teilhaben lassen. Zwar werden wir aufwandstechnisch nicht mehr jeden Event und jede Hochzeit photografieren können. Manchmal muss alles etwas schnell gehen und unseren FreelancerInnen wollen wir diese Aufgabe nicht auch noch zumuten. Und an einer Hochzeit ist meist ein Profi vor Ort – wir sind immer wieder äusserst dankbare Abnehmer dieser Photos.

Last but definitely not least gilt unser Dank all denjenigen, die sich für ein TML-Original entscheiden und bereits entschieden haben. Eine liebe Geschäftspartnerin, mit der ich mich immer mal wieder über vergangene Hochzeiten austausche – ich frage sie immer, wie denn die Deko und die Blumen waren – schreibt mir nicht selten: „Es war schön. Sah ganz ok aus und wirkte gut. Aber es war einfach kein Tabea-Strauss – deine Sträusse bleiben einfach unverkennbar.“ Sie macht das aus Sympathie und Loyalität, sicherlich, aber – so hoffe ich doch – nicht nur. Mögen sich darum auch in diesem Jahr viele Bräute in meine Brausträusse und unsere Arbeit verlieben. Im Gegenzug garantieren wir, immer wieder neue Unikate zu gestalten. Auf ein erfolgreiches Jahr! “Kreative Ideen verdienen Respekt!”

Herzlich,

Ihre Tabea Maria-Lisa

PS: Passend zum Beitrag präsentieren wir Ihnen einige Photos einer Event-Dekoration mit 600 blauen Anemonen, die wir aufgrund des engen Zeitfenster des Aufbaus nicht photografieren konnten. Darum “nur” einige Impressionen aus dem Atelier-Garten.

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